Deutsches Brot in Jinju


In meiner Berufsschulklasse habe ich mir den exotischen Status „deutlich älter und auch noch studiert“ geteilt mit zwei Kollegen: Der eine Mitte Vierzig, vorheriger Ingenieur, der andere ein Jahr jünger als ich, ehemaliger Agrarchemiker.

Diesen traf ich am vergangenen Wochenende zum Kaffee, gerade noch rechtzeitig, denn Yonggyu fliegt in diesen Stunden zurück in seine Heimat Südkorea. Von dort kam er vor vier Jahren mit Frau und Kind, um hier die Bäcker-Ausbildung zu absolvieren.

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Er war somit sogar noch exotischer als ich, Südkorea ist ja deutlich weiter weg als Süddeutschland. Der andere Alt-Azubi und ich, Oma und Opa also, haben gedrängelt, dass er mit uns zusammen auch direkt nach der Ausbildung den Meister machen soll.

Was für Yonggyu nicht so ohne war, da gab es noch einen Haufen zu organisieren, nicht zuletzt waren diverse Ämter davon zu überzeugen, sein Visum zu verlängern. Aber letztendlich saßen wir drei frisch gebackene „Jung-Gesellen“ unter den anderen Schüler_innen auf dem Weg zum Meister und zur Meisterin.

Und wir haben es alle drei geschafft! Bei den meisten Prüfungen kam für Yonggyu noch die Extra-Hürde obendrauf, dass er das Ganze in einer Fremdsprache zu bewerkstelligen hatte. Ich habe großen Respekt vor seiner enormen Leistung.

Mit dem Meistertitel in der Tasche fliegt Yonggyu jetzt zurück und kommt seinem Ziel immer näher, in seiner Heimatstadt Jinju in Südkorea eine deutsche Bäckerei zu eröffnen. Ich habe fest versprochen, ihn in seiner Bäckerei dann zu besuchen. Ich buche demnächst mal mein Ticket, denn das dauert meiner Meinung nach nicht allzu lange.

Oder wie Theodor Fontane sagen würde: „Am Mute hängt der Erfolg.“

Mal sehen, wie dann sein Schaufenster aussehen wird. Das hier jedenfalls ist quasi das Pendant dazu in Berlin: Eine asiatische Bäckerei in der Oranienstraße in Kreuzberg.

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2 Kommentare

  1. liebe sandra, was ist die welt doch klein, gell? du als südeutsche machst zusammen mit einem südkoreaner in berlin den meister im backhandwerk! auch ich bewundere ihn, dass er das noch in einer sprache tat, die nicht seine muttersprach ist. aber auch alle, die in einem handwerksberuf einen meister „bauen“, haben meine hochachtung. du natürlich sowieso :-)) liebe grüße ingrid

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  2. Rosemarie

    Hallo, liebe Sandra-
    das ist ja super, dass ihr fertigen Bäckermeister_innen so guten Kontakt weiter pflegt! Yonggyu ist ein Beispiel, das andere sehr ermutigen könnte! Ich wünsche ihm über dich einen guten Start in seinem Land! Ich erinnere mich an eine Stadt am oberen Ganges (Himalaya), wo ein Deutscher eine Bäckerei aufgemacht hat, die ein riesen Erfolg war!
    Vielleicht fällt dir ja auch noch ein fernes Land ein….lieben Gruß, R*

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