Bienzle und der Tod im Teig*


Vorige Woche war Köln, heute ist Leipzig. Klar, viele wissen schon Bescheid: ich spreche vom „Tatort“. Der wird gerade 45 Jahre alt, 1970 gab es die erste von knapp 1000 Folgen, bekanntermaßen die erfolgreichste Krimiserie im deutschen Fernsehen.

Tatort Dortmund - die neuen Kommissare ermitteln.

Nur schade, dass viele davon nichts haben. Bäcker und Bäckerinnen liegen um diese Uhrzeit meist längst im Bett, schließlich klingelt mitten in der Nacht der Wecker. Und sie sind damit bestimmt nicht die Einzigen, deren Beruf einen Strich durch dieses sonntägliche Ritual macht.

Ich bin eine große Anhängerin des Formats. In meiner Ausbildungszeit war ich in der absolut glücklichen Lage, dass ich in der Montagsklasse war. Ich hatte also immer montags Berufsschule, ein „normaler“ Tagesrhythmus, der mir erlaubte, am Sonntag nach der Tagesschau mit auf Tätersuche zu gehen.

In den Ferien, also in berufsschullosen Wochen, lag ich zur Tatort-Zeit natürlich längst im Bett. Gerne hätte ich den verpassten Fall einfach nach der Arbeit in der ARD-Mediathek geguckt, Internet macht es ja möglich. Pustekuchen, der Krimi wird auch dort auch erst ab 20h gezeigt. Werktags war ich da wieder längst im Bett und wenn ich freie Tage hatte, hatte ich an denen um 20h oft einfach anderes vor.

Für mich war das kein unwesentliches Dilemma, also hab ich den unglücklichen Sachverhalt mal der ARD erklärt und gefragt, ob man das nicht anders lösen könne. Ich sei ja bestimmt nicht die Einzige, der das so geht. Da gibt es für die benachteiligten Berufsgruppen leider keine Chance auf Veränderung, hat man mir gesagt. Man hat sich dem Jugendschutz verpflichtet, was eine frühere Ausstrahlung in der Mediathek unmöglich macht. Mhm, schade. Hätte ja klappen können.

Oder wie Gottfried Keller sagen würde: „An einem offenen Paradiesgärtchen geht der Mensch gleichgültig vorbei und wird erst traurig, wenn es verschlossen ist.“

*Der Titel des Artikels verweist auf die Stuttgarter Tatort-Folge aus dem Jahr 2003, in der ein Bäcker sein Ende in einem Kessel voller Teig findet.

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2 Kommentare

  1. ingrid

    liebe sandra, tatort gucke ich schon ganz lang nicht mehr, überhaupt keine krimis, aber deinen text darüber schon. 🙂 was man mit teig doch alles machen kann – sogar einen tatort daraus… liebe grüße ingrid

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  2. Paulchen P.

    Hi, Sandra. Ja, ich kann Dein Dilemma gut verstehen. Ich bin dazu übergegangen, den Tatort aufzuzeichnen und zeitversetzt zu schauen.

    LG Paulchen

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