Zuckerpilz des Bieres


Heute machen wir einen kleinen Ausflug zu einer meiner Lieblingstätigkeiten: Die Beschäftigung mit Wortgeschichte. Damit habe ich schon während meines Studiums gerne mein Umfeld terrorisiert und zu völligen Unzeiten mein etymologisches Wörterbuch aus dem Regal gezogen und daraus vorgelesen.

So ist es mir ein großes Anliegen, mich auf das Wort „Hefe“ zu stürzen und zu erklären, was es damit auf sich hat.

2015-03-29 18.15.02

Bei „Hefe“ muss nur das „f“ gegen ein „b“ getauscht werden, dann hat man schon das nächstverwandte Wort gefunden: „heben“. „Hefe“ bedeutet nämlich „die Hebende“. Und warum? Weil sie den Teig hebt. Völlig logische und eigentlich banale Wortgeschichte. Ich bringe sie trotzdem immer wieder gerne an, denn die Reaktionen darauf zeigen mir, dass der Zusammenhang nicht unbedingt bekannt ist.

In Bayern oder Österreich wird eher das Wort „Germ“ verwendet, den Ausdruck „Germknödel“ hat man vielleicht schon mal gehört. „Germ“ wiederum kommt vom Wort „gären“.

Der englische Ausdruck „yeast“ erfordert ein wenig mehr Um-die-Ecke-Denken: Das deutsche Wort „Gischt“ hängt da mit drin, es bezeichnet also etwas, das schäumt, das aufwallt. Ebenfalls ein starker Hinweis auf die Tätigkeit des Stoffes.

Allen gemein ist, dass Hefe/Germ/yeast keineswegs zuerst in der Backstube eine Rolle gespielt hat, sondern in Brauereien. Erst ab dem 18. Jahrhundert gingen die Brau-Überbleibsel an Bäckereien, der lateinische Ausdruck lautet ja auch nach wie vor: Saccharomyces cerevisiae „Zuckerpilz des Bieres“. Vorher verließ man sich ausschließlich auf die „Hebung“ durch Sauerteig.

Oder wie Pierre Littbarski sagen würde: „In der ersten Halbzeit haben wir ganz gut gespielt, in der zweiten fehlte uns die Kontinu… äh, die Kontuni… ach scheiß Fremdwörter: Wir waren nicht beständig genug.“

 

Der Bäckerblog wünscht frohe Ostern und macht Ferien!

Nach den Feiertagen geht es weiter. Eine Idee fürs Recyceln von Schokohasen gibt es im Artikel „Österliche Resteverwertung“.

Sandra mit Hase

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3 Kommentare

  1. ingrid

    liebe sandra, hefe verwende ich ständig – aber über den ursprung des wortes hab ich mir keine gedanken gemacht. danke dafür, dass ich wieder ein wenig gescheiter geworden bin. toll, das lateinische wort Saccharomyces cerevisiae für Zuckerpilz des Bieres. ich glaub, ich bleibe bei „hefe“ :-)) liebe grüße ingrid

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  2. Sowas finde ich immer sehr spannend! Übrigens auf Chinesisch heißt Hefe 酵母=jiàomǔ = Die Mutter der Gärung (Mu=Mutter). Oder auch 酒母. Da das 1. Schriftzeichen in diesem Fall für alkoholische Getänke steht, heißt diese Zeichenkombination „Die Brauhefe“ LG Ulrike

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  3. Rosemarie

    Hallo, liebe Sandra – das Backthema ist ja unerschöpflich! Nach dem chinesischen Wort für Hefe kann ich nur kleinlaut das französische liefern: levure du boulanger – offenbar hat der ein gewisses Vorrecht diese zu benutzen! Ich hätte gern gewusst, welche Zutaten der Hefe nicht so gefallen, dass das „Heben“ nicht gut klappt?? (vor allem beim Brot)
    Liebe Grüße, R*

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