Pferdebrot


Pferdebrot, das: „Bisweilen in Backstuben scherzhaft so benanntes Brot, das zu einem bestimmten Prozentsatz aus Hafer (z.B. als H.-Flocken) besteht.“ Könnte fast so im Duden stehen. Ist auch wirklich wahr: Bäckergesellen nennen gerne einige Produkte nicht beim eigentlichen Namen, sondern denken sich kurzerhand Spitznamen aus, die simpel bestimmte Charaktereigenschaften ausdrücken.

Pferdebrot

Das könnte auch eine Berliner Eigenart sein, so wie die „Gold-Else“ die Siegessäule bezeichnet oder die „Schwangere Auster“  das Haus der Kulturen der Welt meint.

Pferdebrot kann natürlich auch trockenes Altbrot sein, das von Pferdezüchtern zur Verfütterung abgeholt wird. Aber bleiben wir mal beim Brot mit Haferflocken. Der bestimmte Prozentsatz ist in Deutschland geregelt, es müssen mindestens 20% Hafer drin sein, sonst darf man das nicht Haferbrot nennen. Steht so in den „Leitsätzen“, den lebensmittelrechtlichen Vorschriften.

Da steht auch, dass ein Nussbrot mindestens 8% Nüsse enthalten muss. Ein Holzofenbrot muss im Holzofen gebacken worden sein, sonst darf es so nicht heißen. Im Buttermilchbrot sind mindestens 15 Liter Buttermilch auf 100 Kilo Getreidemahlerzeugnisse enthalten. Spezialbrot nennen wir das: Brote mit besonderen Zutaten oder auf eine besondere Art hergestellt.

Da haben wir schon in der Berufsschule ausgiebig mit den Augen gerollt, dass wir solche Zahlen und Fakten auswendig drauf haben mussten. Jetzt im Meisterkurs ist das noch detaillierter. Und schützt letztendlich die Verbraucher. Sie müssen sich schließlich darauf verlassen können, was da überall so drin ist.

Ein weiteres schönes Beispiel für eine besondere Art der Herstellung ist Pumpernickel. Es besteht aus mindestens 90% Roggenbackschrot oder Roggenvollkornschrot. Das Ganze kommt bei sehr niedrigen Temperaturen, ca. 100°C, für eine sehr lange Zeit in den Backofen: mindestens für 16 Stunden. Es wird mehr gegart als gebacken. So hat es auch ordentlich Zeit, diese typische, dunkle Farbe und den leicht süßlichen Geschmack zu entwickeln.

Black bread

Bei der langen Backzeit wundert es nicht, dass ich das noch nie in einer Bäckerei gesehen habe. Der Aufwand, den man dafür betreiben muss (von den Energiekosten ganz zu schweigen), ist immens. Obwohl es überwiegend in Supermarktregalen Verbreitung findet (und eben nicht in der Handwerksbäckerei), gilt es als typisch deutsche Angelegenheit.

Doch wenn man es genau nimmt, ist dieses das wahre Pferdebrot.

Denn wie Napoleon sagen würde: „C’est bon pour Nickel.“

= „Es ist gut für Nickel.“, es ist also gerade mal gut genug für Napoleons Pferd Nickel. So erhielt es seinen Namen.*

Pferd Bäckerei

*Auch wenn diese Erklärung erwiesenermaßen zu den Legenden zu zählen ist, gehört diese zu meinen Lieblingsgeschichten, wie Brote zu ihren Namen kamen.

 

Advertisements

6 Kommentare

  1. Hochinteressant! Du schreibst sehr gut und kannst eigentlich trockene Fakten interessant rüberbringen. Hätte nie gedacht, dass ich einen Blog über Brot und Backen so gerne lesen würde.
    LG
    Ulrike

    Gefällt mir

  2. ingrid

    ulrike vom bambooblog schreibt wohl allen deinen lesern aus der seele 🙂 pferdebrot hört sich gut an. ich mache übrigens auch an den linzertortenteig haferflocken. paula horn nennt das „einfache linzertorte“ und meint, dass es bekömmlicher sei. ist das nun auch eine pferdetorte? grüßli ingrid

    Gefällt mir

  3. Wenn es ein Reinheitsgebot für Brot gäbe, hätten wir in Deutschland diese Vielfalt nicht und genauso langweilige Brote wie Biere. Das mit dem „Bon pour Nickel“ ist eine nette Geschichte, aber leider nicht wahr, denn das Brot hieß nachweislich schon so, bevor Napoleon nach Westfalen kam.

    Übrigens wurde in Moabit, gleich bei mir um die Ecke, bis in die 1980er Jahre Pumpernickel hergestellt: „Sökeland, eine alte Bäckerfamilie aus Westfalen, brachte den westfälischen Pumpernickel schon 1853 in die preußische Residenz. Der Betrieb existierte bis 1984 unter diesem Namen und lieferte seine Brotspezialitäten in die ganze Welt, luftdicht und tropenfest in Büchsen verpackt.“ Ein Bild dazu: http://www.v-like-vintage.net/de/foto_details/53736_foto_Berlin+Herstellung+von+Pumpernickel/

    Gefällt mir

    • Danke für die Geschichte mit dem Berliner Pumpernickel 🙂 das ist wirklich ein tolles Foto.
      Der Wahrheitsgehalt der napoleonischen Geschichte stand übrigens im letzten Satz beschrieben. Ich mag sie trotzdem…

      Gefällt mir

  4. Rosemarie

    Hallo liebe Bäckerin!
    Ich schließe mich der Ulrike an: wieder tolle und nicht trockene Infos, die bei mir einen Irrtum aufgedeckt haben: da das Pumpernickel so süß ist dachte ich, es wäre mit Zucker oder Ähnlichem angereichert! Kam deshalb bei mir nur auf den zweiten Platz! Jetzt ist es rehabilitiert! Danke! – Viel Erfolg weiterhin am Kugelschreiber leer schreiben! R*

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: