Brot und Brauchtum


Was waren das noch für Zeiten, als Brot eine universale Bedeutung zukam. Es galt als heilige Speise und wurde als solche hoch verehrt, als Symbol für Leben und Lebenskraft. Und war eben nicht in jedem Supermarkt oder an der Tankstelle um die Ecke zu erwerben. Mit der Verteufelung dieser Konsequenz des Fortschritts gehe ich übrigens meinem Umfeld bisweilen gehörig auf den Keks.

Ja, heute schwelge ich ein wenig vor mich hin und beschäftige mich hier mit Brauchtümern rund um dieses Lebensmittel. Vor einigen Tagen habe ich gelesen, dass es lange Zeit verpönt war, in Gegenwart eines Brotes zu fluchen. Ob das den Herstellern auch bekannt war und sie sich immer daran gehalten haben?

Ich habe mich ein wenig in die Materie eingelesen und Erstaunliches zutage gebracht. Nach getaner theoretischer Prüfung vor einer Woche (Ergebnisse gibt es Ende August), kann ich mich ja wieder getrost mit solchen Dingen beschäftigen.

Brot in der Eifel

 

Laut allgemeiner Auffassung drohten göttliche Strafen, wenn jemand einen Brotfrevel beging. Jawohl. So ist es recht. Der Tatbestand wurde wirklich so genannt, es gibt sogar einen Wikipedia-Eintrag dazu. Ließ ein Tunichtgut entsprechende Ehrfurcht vermissen, verschwendete er das kostbare Gut oder kam gar nicht auf die Idee, es etwa mit Hungernden zu teilen, konnte es schon mal passieren, dass er vom Erdboden verschluckt wurde. Im Wortsinn.

Einer Sage nach ließ sich ein Burgherr von den Bauern extra hart gebackene Brotkugeln liefern, um damit zu kegeln. Die Brotlaibe gingen bei der Spielerei zu Bruch und wurden den hofeigenen Tieren zum Fraß vorgeworfen, während die Menschen vor der Burg Hunger litten. Schwupps, war der Burgherr weg. Mit Mann und Maus und Burg in die Tiefe gerissen. Die übrig gebliebene Ruine ist bis heute in der Eifel zu besichtigen.

Brot ist also mit großem Respekt zu begegnen und war auf verschiedene Weise besonders als Glücks- und Schutzbringer bekannt:

„Brot wurde vor dem Anschnitt gesegnet und dem ersten Brot, das in den Backofen kam, wurde ein Kreuz aufgedrückt. Dieses Kreuzbrot wurde als letztes gegessen.

kreuzbrot

Beiseite gelegtes Karfreitagbrot sollte das ganze Jahr über nicht schimmeln. Am Weihnachtstag auf die Schwelle gelegtes Brot sollte besonderen Schutz auf das Haus ausüben. Das erste aus neuem Mehl gebackene Brot war ein Glücksbrot und sollte, lange aufbewahrt, vor Hunger schützen oder es wurde den Armen gebracht.

Wöchnerinnen legten ein Stück Brot unter das Kissen, um eine glückliche Geburt zu erbitten. Über Neugeborenen wurde das Brot gebrochen, damit Leib und Seele gut gedeihen. Verließ jemand für längere Zeit die Heimat, dann bekam er ein selbst gebackenes Brot mit, welches mit Tränen gesalzen war — ein echtes Heimatbrot.’*

Der in unserem Kulturkreis wohl einzige verbliebende Brauch ist natürlich das Schenken von Brot und Salz beim Einzug in ein neues Heim – Symbole für Wohlstand und Glück. Und das Böse soll damit auch gleich fern gehalten werden.

Ansonsten dürfte auch die Tradition des jüdischen Pessachfestes bekannt sein: Während dieser Zeit wird nur ungesäuertes Brot, Mazzen, verzehrt. Damit wird daran erinnert, dass beim Auszug der Juden aus Ägypten alles so schnell gehen musste, dass man schlicht keine Zeit mehr hatte, den Brotteig gären zu lassen.

mazzen II

Gebührenden Respekt zollt man dem Brot, indem man es nie auf den Rücken legt. Denn dieser Umstand soll nicht nur Unglück oder Trauer bringen, sondern auch ein Zeichen dafür sein, dass der Hausherr sein Brot auf dem Rücken verdient. Er also ein immenser Faulenzer ist.

Oder wie Hedwig Krebs nach einem festlichen Mahl sagen würde: „Unser heutiges Brot gib uns täglich.“ (Hedwig Krebs war übrigens meine Oma mütterlicherseits.)

 

*Quelle: http://www.landbrot.de/unser-sortiment/rund-ums-brot/mythos-brot/symbolik-braeuche.html

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4 Kommentare

  1. Das ist sehr interessant! LG Ulrike

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  2. ingrid lüderitz

    liebe sandra, wieviel doch über brot zu sagen ist! beim lesen deines beitrags hab ich so viel gelernt, dass es fast einem studium gleichkommt :-)) früher hat man vor dem anschnitt eines brotes auf
    die unterseite mit dem finger ein kreuz bezeichnet. liebe grüße ingrid

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    • Echt? Vielleicht waren das ja Brote, die mit dem Schieber, der jetzt bei mir steht, aus dem Ofen geholt wurden? 🙂
      Das mit dem Kreuz zeichnen meint vielleicht das Segnen des Brotes vor dem Anschneiden. Wusst ich aber gar nicht, dass dir das noch so geläufig ist… 🙂

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