Österliche Resteverwertung


Diese Woche hatte ich wieder „überbetriebliche Lehrlingsunterweisung“: eine ganze Woche Kurs in der Innung, jeden Tag Schrippen machen (das muss schließlich sitzen), jeden Tag viel Input, viel lernen und natürlich viel fragen.

Und das Fernsehen war auch dabei! Das hatte zwar nix mit unserer Kurswoche zu tun, aber ein paar von uns waren im Bild. Ich als (wie so oft) einziges Mädchen ebenfalls, es braucht schließlich die Quotenfrau.

Es ging um eine bestimmte Aktion, die ich bereits 2013 auf der Grünen Woche kennen gelernt habe: „Zu gut für die Tonne“. Gelernt habe ich an dem Stand zum Beispiel, dass wir jedes achte Lebensmittel, das wir kaufen, wegwerfen. Im Durchschnitt. Manche werfen natürlich gar nichts weg, manche hingegen viel viel mehr. Jedes achte Lebensmittel, das finde ich happig. Das betrifft auch Brot, natürlich.

Im Jahr 2005 kam zu diesem Thema der Film „We Feed The World“ in die Kinos. Der Trailer genügt eigentlich schon, um für Entsetzen zu sorgen. Ein Satz, der mich seither nicht mehr loslässt: „Tag für Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt, wie Graz verbraucht.“

Auch in der Innung stellen wir zu Übungszwecken viel mehr her, als wir verbrauchen können. Das wird immerhin nicht weggeschmissen, sondern von einem Landwirt für seine Tiere abgeholt. Tut trotzdem bisweilen weh.

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Die Menge an Weggeworfenem kann man reduzieren, das macht die Aktion „Zu gut für die Tonne“ vor und die Bäckerinnung hilft dabei. Aus Schoko-Osterhasen, die man nicht so unbedingt alle aufisst, kann man lecker Schokobrötchen herstellen. Das funktioniert natürlich auch im Winter mit Schoko-Nikoläusen, klar.

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(Die Anleitung samt Rezept und Fotos gibt es weiter unten.)

In ganz kurzer Kürze war das am selben Abend in der Abendschau zu sehen. Der Beitrag ist so schnell schon wieder vorbei, dass sich der Azubi-Kollege E. wunderte: „Jetzt haben die da zwei Stunden rumgefilmt und es waren am Ende höchstens ein paar Sekunden zu sehen. So werde ich doch nie berühmt!“ Tja, so ist das halt beim Fernsehen.

Die Aktion hat viel Spaß gemacht, unbestritten. Allerdings finde ich den Tropfen auf dem heißen Stein sehr sehr klein. Das gesamte Kaufverhalten müsste sich ändern, damit solche Geschichten nicht mehr nötig sind. Ein weiter Weg. Aber vielleicht regte das ja schon mal zum Nachdenken an?

Oder wie Sokrates sagen würde: „Wie viele Dinge es doch gibt, die ich nicht brauche.“

Das angekündigte Schokobrötchen-Rezept geht so:

  • 500g Weizenmehl
  • 50g Zucker
  • 25g Frischhefe (ein halber Würfel)
  • 100ml kalte Milch
  • 50g Butter
  • 1 Ei
  • 150ml Wasser
  • 1 Teelöffel Salz
  • etwas Zitronensaft und Vanillearoma
  • später ein bisschen Butter und Zucker zum Bestreichen und Bestreuen

Alle Zutaten in einer Schüssel gut vermischen und ca. 10 Minuten intensiv kneten (am besten dazu einen Mixer mit Knethaken verwenden).

Zwei große Schokohasen (also ca. 200g) werden zerkleinert, von Hand oder mit einem Nudelholz. Die Schokostückchen werden in den fertigen Teig geknetet, nur kurz, sonst werden die Stückchen zu klein und schmieren da so im Teig rum, machen ihn braun. Das Ergebnis sieht nicht so professionell aus.

Den Teig lässt man etwa zehn Minuten abgedeckt ruhen.

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Dann formt man eiergroße Kugeln daraus und lässt diese noch einige Minuten ruhen. Für größer angelegtes Backen teilt man diese mit der Maschine in 30 gleich große Stücke ein.

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Dann werden die Kugeln auf ein mit Backpapier belegtes Blech gelegt:

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Jetzt sollen die Kugeln garen und sich vergrößern, dazu legt man sie in den ca. 30°C warmen Ofen. Hat man keinen Ofen zur Hand, der sich so wenig aufheizt, dauert das eben länger. Man kann den Ofen etwas aufheizen und ihn dann wieder ausstellen, bevor man die Brötchen darin garen lässt. Hat ja nicht jeder solch eine technische Errungenschaft. Damit viel Feuchtigkeit im Ofen ist, werden die Kugeln mehrmals mit Wasser bestrichen.

Wenn sich die Größe der Kugeln etwa verdoppelt hat, nimmt man das Blech aus dem Ofen und deckt es mit einem sauberen Geschirrtuch ab.

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Dann den Ofen auf ca. 210″C vorheizen. Wenn er diese Temperatur hat, die Kugeln mit Wasser bestreichen und etwa 16 Minuten backen. Nicht zu lange, sonst werden sie trocken. Das gilt natürlich für alle Gebäcke.

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Danach mit flüssiger Butter bepinseln und mit Zucker bestreuen. Das Ergebnis sollte in etwa so aussehen:

Schokobroetchen

Viel Spaß und guten Hunger!

 

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2 Kommentare

  1. Danke für Dein Engagement hinsichtlich der Lebensmittelverschwendung. Ja, Brot ist eines der meist weggeworfenen Artikel, und wenn es bei der Tafel IMMER gibt, so ist es Brot. Das bricht mir so das Herz, weil es ‚“DAS“ Lebensmittel schlechthin ist.
    Über das Thema 'Lebensmittelverschwendung habe ich auch geschrieben – im Artikel 'Mathematik'.
    Und ich werde mal lecker Schokobrötchen backen demnächst.

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  2. Rosemarie

    Wo kriege ich dennn jetzt noch einen Schokoladenosterhasen her, damit ich mir die leckeren Schokobrötchen backen kann?? Danke für die Gedanken zur Verschwendung….ich bin auch sehr für das Umdenken!! Möchte auch gerne was in der Richtung bewegen! …R*

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