Ahnungen


Das konnte ja kein Mensch ahnen: Gerade mal 850 Wörter rufen solche Reaktionen hervor. Hätte ich es geahnt, hätte ich der ab und an aufkommenden Trostlosigkeit, die sich in diesem Handwerk breit zu machen scheint, bereits eher Ausdruck verliehen.

Besonders zum Aussterben der traditionell-handwerklichen Bäckerei gab es einige Äußerungen, die ich für absolut lesenswert halte. Genauso zur handwerklichen Ausbildung an sich. Wäre sehr schade, wenn sie nicht beachtet würden:

„Brot … aber auch alles andere mit Liebe gebackene sind so tolle, im besten Sinne des Wortes … LEBENSMITTEL. Viele der Generation McDo… sind sich des Aufwandes und der verwendeten Zusatzstoffe gar nicht bewusst und glauben evtl.: gutes Brot kommt aus einer Riesen-Maschine, in die man einfach Mehl reinschüttet.“

„Es ist so absurd, an der ‚Bäcker‘-Theke einer großen Berliner Supermarkt-Kette nach Muffins zu fragen und dann zu hören: ‚Ich muss mal gucken, ob die schon aufgetaut sind’”.

„…Gelinkt werden die Bäckerkunden – oder sie lassen es zu. Ich stamme aus einer 1870 gegründeten (leider heute nicht mehr existenten) Bäckerei, bin neben ihr großgeworden, im Brot-und Kuchenduft, sozusagen. Mein Onkel, der letzte Geschäftsinhaber, sagte immer, ein Bäcker, der mehr als vier oder fünf Brotsorten anbiete , könne nicht sauber arbeiten, brauche Zusatzstoffe (was ich nicht beurteilen kann). Mein Onkel musste dreimal an den Teig ran in der Nacht, um ihn zu führen und dann zu verarbeiten. Das Brot im Laden war mittags meist restlos verkauft, man musste vorbestellen. Heute wollen wir um 18 Uhr noch alle Sorten, im Supermarkt auch noch um 21 Uhr! Wir bekommen sozusagen, was wir verdienen. Inzwischen gibt es mancherorts keinen Handwerksbäcker mehr. Hauptsache billig, dabei hätten die meisten von uns das Geld, um Bäcker ordentlich zu bezahlen – ich höre schon die Protestrufe, doch es geht um Prioritäten, wie auch beim Fleisch! Aber wir trinken halt lieber alle zwei Tage außer Haus einen Latte Macchiato für 2,80 Euro oder ein Weizenbier für absurde 3,80 Euro (viermal so viel wie zu Hause aus dem Kühlschrank), als das Geld für gutes Brot auszugeben. Tja …“
(Walter Schmidt, http://www.schmidt-walter.de)

Ich stelle gerade fest, dass „absurd“ eine gerne verwendete Vokabel in diesem Zusammenhang ist.

„Ich kannte schon vor vielen Jahren eine junge Frau, die Bäckerin wurde, in ihrem Ausbildungsbetrieb fast keinerlei Anleitung hatte und dann in einem anderen Betrieb in der Freizeit unter Anleitung üben durfte. Sprechen darüber durfte man nicht. Weil ja die deutsche duale Berufsausbildung über alle Zweifel erhaben ist. Dabei müssen wir immer mehr in Ausstattung von Werkstätten der beruflichen Schulen investieren, weil selbst die Grundkompetenzen einzelner Berufe nicht mehr in den Handwerksbetrieben vermittelt werden (können?).“

Dieser Freizeitbeschäftigung geht eine mir bekannte Kondi-Auszubildende ebenfalls nach. Auch absurd. Ich gebe zu, mich erschüttern manchmal meine eigenen Erkenntnisse und ich schüttele oft fassungslos den Kopf.

Aber: Gerade weil es bisweilen sehr fragwürdig erscheint, dieses zukunftsarme Handwerk erlernen zu wollen, gerade deshalb lohnt es sich. Denke ich.

Als hätte sie es geahnt, schenkte mir vor ein paar Wochen eine gute Freundin dieses Frühstücksbrettchen, was heute als Fußballspruch-Ersatz herhalten darf:819+rh0DO4L._SL1500_

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Ein Kommentar

  1. Rosemarie

    Unglaublich passend, dieses Brett!! Einige haben es offenbar vorm Kopf und können deshalb die Inschrift leider nicht lesen!…und können nicht verstehen, wie brisant und wichtig dieses Thema Brot ist! Den Preisvergleich mit Bier und Latte finde ich sehr aufschlussreich!
    Liebe Bäckerin – trotz all der Absurditäten: du hast das Brot „in der Tasche“ – jetzt lass dir nicht die Butter davon runter nehmen!…..Sind jetzt übrigens Weihnachtsgebäcke auch dran? – Ich schick dir ein paar Plätzchen rüber, zum Durchhalten! R*

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