Dekorative Brotkultur


Ich hab ja alles aufgefahren, was ich da hatte. Für meine Deko bei der Zwischenprüfung. Es galt schließlich, die Gebäcke zum Thema „Deutsche Brotkultur“ zu präsentieren. Auf den kleinen Fotos des Artikels „Zwischenstand“ sind ein paar Details zu erkennen, da knüpf ich doch mal an und beschreibe, was ich mir denn dabei gedacht habe.

Ich bin also mit zwei dicken Taschen zu meinem Prüfungstermin in die Innung gefahren. Und hätte mir ein Taxi gönnen sollen, denn die S-Bahn sorgte dafür, dass ich das Gepäck länger schultern musste, als eigentlich vorgesehen. Aber keine Müdigkeit vorgeschützt, es ging ja um was.

Seit ich weiß, dass wir für unsere Deko gemäß dem Thema zu sorgen haben, habe ich überlegt, was ich wie präsentieren könnte. Wenn es praktisch nicht läuft, die Brötchen verbrennen, der Plunder nicht aufgeht, die Weißbrote total schief werden oder was weiß ich, kann man mit der Deko ja noch einiges wett machen. Muss sich ja bemerkbar machen, dass ich beruflich mal was mit Marketing zu tun hatte.

Vor einiger Zeit habe ich meine Großeltern mütterlicherseits um den ca. 60 Jahre alten Brotschieber und noch einiges an Equipment aus ihrem Haus im Badischen beerbt. Alles in etwa aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. So die Tischdecken, klassisches Weiß und viele kleine pastellfarbene Deckchen. Ich konnte mir damals, als sie in meinen Haushalt wechselten, noch keine Verwendung vorstellen:

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Aber hat sehr gepasst, so wie die Milchkanne, die 50er-Jahre-Schale, das Backbuch von Dr. Oetker (mit dem sinnreichen Titel) …

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…oder die beiden Blech-Becher:

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Aus meiner Familie stammt auch das große Holzbrett, was der Hersteller, mein ältester Bruder, auch sogleich erkannte:

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In meinem Besitz befinden sich zwei große Marktwaagen, ich hatte kurz überlegt, so eine auch an den Start zu bringen. Aber die geschätzten 15 Kilo Gewicht pro Stück hielten mich doch davon ab, abgesehen davon wäre das auch ein wenig wuchtig geworden im Gesamtbild. Man muss es ja nicht übertreiben. Großartig, dass ich das Pendant in kleiner Kaufmannsladenausführung bei der älteren Patentochter entdeckt habe und sie sich auch bereit erklärte, das gute Stück für den guten Zweck auszuleihen:

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Das allererste, was mir in den Sinn kam, als ich das Thema erfuhr, war allerdings kein Dekokram, sondern mein Studium der Sprachwissenschaft. Da hab ich ja noch ein paar Bücher im Schrank und weiß auch, was in denen zu finden ist. Nicht erst seit der Schrippen-Diskussion Anfang 2013 wissen wir, dass das Brötchen in Deutschland viele verschiedene Namen hat. Auch ein Teil der Brot-Kultur.

Das Ergebnis waren kleine Tüten mit selber gemachten Banderolen für Schrippe, Weckle, Laabla, Rundstück, Kipf, Semmel und eben Brötchen, in die ich meine Backwerke steckte. Das war eine ziemliche Fummelei:

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Aber sah ganz anständig aus, wie ich finde. Damit die Fummelei auch bemerkt wurde, klemmte hintendran die Karte, wie das Backwerk denn im deutschsprachigen Raum genannt wird:

Quelle: DTV-Atlas Deutsche Sprache

Quelle: DTV-Atlas Deutsche Sprache

Und das Topping des Ganzen: Aus vielen alten Leintüchern aus dem Haus meiner Großeltern hat meine Mutter mir zum Start meiner Lehre etliche Schürzen genäht. Eine davon hatte ich bislang noch nie getragen, sie war mir schlicht zu schade für den regulären Betrieb. Ich habe sie aufbewahrt bis zur Prüfung:

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Das Leintuch dürfte so das älteste aus dem Bestand gewesen sein und zeigt die Initialen meiner Urgroßmutter Anna. Und ja, ich war wirklich ehrfürchtig, als ich mir den Vorbinder zur abschließenden Präsentation umgebunden habe.

Den 60 Jahre alten Brotschieber habe ich aber aus Gründen der eventuellen Zerbrechlichkeit lieber zu Hause gelassen.

Schriftlich gab es jetzt auch das Ergebnis, per Post in den Betrieb. In der theoretischen Prüfung 97 von 100 Punkten, den praktischen Teil habe ich mit 86 von 100 hinter mich gebracht. Heraus gerissen hat es die Planung, die ich ja als die größte Herausforderung gesehen habe. Krasse 100 von 100 Punkten. Bammel haben zahlt sich manchmal doch aus.

Oder wie Mario Basler sagen würde: „Im ersten Moment war ich nicht nur glücklich ein Tor geschossen zu haben, sondern auch, dass der Ball reinging.“

Vielen Dank an alle Mitdekorierenden! Auch wenn manche vielleicht von ihrem Beitrag gar nichts wissen…

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6 Kommentare

  1. Peter.

    Herzlichen Glückwunsch, Sandra!! Das sind ja jede Menge Punkte! Du rockst das Haus.

    Liebe Grüße in die Hauptstadt

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    • Dankeschön!!! Bin auch gut stolz und froh, das erst mal hinter mir zu haben 🙂

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  2. ingrid lüderitz

    toll wieder, dein blog! denk mal, wie vielen der schon ans herz gewachsen ist! eine absolut nicht nebensächliche begleiterscheinung deiner bäckerlehre. so haben wir alle was davon. super die alten sachen in deiner dekoration! liebe grüßle ingrid

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  3. Rosemarie

    Nun darf ich mich immerhin als Zweite den obigen Glückwünschen anschließen!!! Es ist unglaublich beeindruckend mit welcher Power du das Jahr bedient hast, durchgehalten hast! Dann kann dich das nächste echt cool lassen! Ich wünsche dir Zeit zum Durchatmen und dann gelassen weitermachen! Drück dich jetzt schon und dann Mittwoch!!! R*

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  4. Hey voll cool. Soviele Punkte. Das haste prima gemacht. Glückwunsch, Glückwunsch.

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