Filmreif


Seit heute bin ich im dritten Lehrjahr. Vor genau einem Jahr habe ich meine Ausbildung angefangen und weil ich mal irgendwann in meinem Leben Abitur gemacht habe, konnte ich ja direkt das erste Lehrjahr überspringen.

Ein Bäckerazubi bekommt monatlich im ersten Lehrjahr 400 EUR, im zweiten 500 EUR und im dritten 600 EUR Lohn brutto. Seit 1.9.2013, also heute, greift die neue Erhöhung der Ausbildungsvergütung. Ich bekomme ab sofort 670 EUR. Das ist eine satte Erhöhung von über 11%! Hui.

Ja, es hat durchaus Vorteile, als Azubi noch bei seinen Eltern zu wohnen, in verschiedener Hinsicht. So bleiben einem nicht nur der Preis für Kost und Logis erspart, auch die Zubereitung derselben und die Unterhaltung der Bleibe und was eben noch so alles dazu gehört.

Aber das fällt bei mir alles aus, mein Elternhaus steht mit 800 Kilometern Entfernung nicht im pendelbaren Bereich. Die Lösung ist also eine (zumindest temporäre) Steigerung der Einnahmen und die kam vergangene Woche ganz von selbst.

Ich bin seit 2012 in einer Komparsen-Agentur in Berlin geführt, mit Foto (unvorteilhaft, wie ich finde) und Angaben zu Größe, Alter, Kragenweite, Augenfarbe usw. Ich habe vergangenes Jahr mein Gesicht für eine Sat1- und eine RTL-Produktion hingehalten, für diverse Serien verschiedener Sender und ganz am Anfang des Action-Films von Til Schweiger sieht man mich in einer Polizei-Uniform. Angeblich, ich habe mir den Film nie angesehen. Aber habe mich mal vorsorglich ablichten lassen:

Polizistin

Zum Glück wurde im Winter gedreht, es war lausekalt, aber so eine Uniform hält schön warm. Drehort war der Potsdamer Platz, das war dank unzähliger Kameras und anderem technischen Equipment sehr offensichtlich. Trotzdem wurden ich und meine „Polizei“-Kollegen öfter von irrenden Touristen nach dem Weg gefragt. So ein Polizist muss es ja wissen.

Vor ein paar Wochen erhielt ich einen Anruf von der Agentur, ob ich Lust hätte, in einem ARD-Film mitzuspielen, eine Rolle ohne Text, 80 EUR statt der üblichen 50 EUR pro Drehtag, ein Drehtag wäre vorerst vorgesehen. Klar hab ich Lust! Hui, aufregend.

Damit der Regisseur entscheiden konnte, ob ich mich eigne für die Rolle, hatte ich für das Casting doch etwas Text zu lernen. Diese kurze Szene wurde filmisch festgehalten, nach nur zwei Aufnahmen hieß es „Danke, wir melden uns Montag bei dir.“ Aha. Na, kann ja nicht doll gewesen sein. Fand ich jedenfalls.

Am Montag meldete sich die Agentur in der Tat. Mit der Zusage, dem Regisseur habe das sehr gefallen und er möchte mich gerne bei dem Film dabei haben. Hui, sehr aufregend! Mittlerweile waren schon zwei Drehtage für mich angesetzt. Dafür hatte ich jetzt doch einen Dienst getauscht, für den einen Drehtag fand ich das noch unnötig, da ich tagsüber ja sowieso nicht arbeite. Aber bei zweien schien mir das doch vernünftiger.

Eine Woche vor Drehbeginn war ich in der Kostümabteilung und probierte verschiedene Hosen, Blusen und Jäckchen an. Nachdem ich bei 36°C Außentemperatur durch eiliges Gehen meine Verspätung wieder wettmachen wollte.

Am Mittag vor dem Drehbeginn bekam ich einen hektischen Anruf der Agentur, ich solle dringend in meine Mails schauen, es gäbe wichtige Änderungen. Die Änderungen bestanden aus drei Absätzen Text für meine Rolle, die kurzfristig dazu gekommen waren. Es könne allerdings sein, dass ich gar nicht zu hören sei, weil eventuell Musik über die Szene gelegt würde. Egal, der Tagessatz für mich stieg auf 120 EUR.

Mein Plan war, direkt nach der Schicht nach Dahlem in die Freie Universität Berlin zu fahren, dem Drehort für einige Szenen des Films. Analog zu den zwei Drehtagen gibt es zu diesem Thema auch zwei Artikel. Fortsetzung folgt…

Oder wie Pierre Littbarski sagen würde: „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken mit Ende.“

Die Polizistin, der Schrecken der Straße

…oder der Schrecken der Straße.

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3 Kommentare

  1. Susanne Vetter

    Wenn du willst, buche ich dich auch wieder!

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  2. Rosemarie

    Hallo, Frau Polizistin! Wie weit ist das denn von einem Bäckerlehrling entfernt! Steht dir gar nicht schlecht, die Tracht! Bin mal gespannt, was du sonst noch an Überraschungen für uns hast! Viel Erfolg und Spaß beim Drehen!! Toi, toi – – R*

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  3. Joshua Lüderitz

    Bin begeistert 🙂 Liebe Grüße dein Neffe 🙂

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