Reisespeise


Aus gegebenem Anlass packe ich heute noch mal einen Reisebericht aus. Der Anlass ist nicht nur diese Affenhitze, mit der wir (zumindest hier in Berlin) zu kämpfen haben. Am Ort meiner heutigen Blogstation kann es indes kaum heißer sein, als in einer Backstube in diesen Tagen. Klimatisiertes Backen habe ich übrigens bislang nur in den Räumen der Bäckerinnung kennen gelernt.

Anlass ist auch die Urlaubszeit, die in einigen Bundesländern zwar schon wieder endet, aber in anderen noch in vollem Gange ist. In Berlin zum Beispiel ist ab Montag wieder Schule, auch ich werde dann um 8 Uhr in meiner Klasse sitzen. Aber zurück zum Thema.

Vor einigen Jahren war meine Freundin J. aus L. in Ägypten und hat auf einer Tour mit Nomaden die Halbinsel Sinai bereist. Inspiriert vom Artikel „Außer Haus“ durchforstete J. ihre umfangreiche Fotosammlung und förderte sehr fachbezogenes Bildmaterial zu Tage. Yeah.

So ist das Grundnahrungsmittel auch bei Nomaden das Brot. Bevor es im Mund verschwindet und im Magen landet, hat es aber auch eine andere Funktion: Besteck hat in der Wüste doch eher Seltenheitswert, statt dessen wird Brot in Stücke gerissen, in Saucen getunkt und als Hilfsmittel zur Nahrungsaufnahme verwendet.

Größere Siedlungen befinden sich dort fast ausnahmslos in Küstennähe. Mitten in der Wüste sind die Chancen auf einen Bäcker oder Supermarkt also eher als gering einzuschätzen. Brot wird unterwegs gemacht, mit Hilfe einer genialen Ofentechnik.

Der Teig besteht aus Mehl, Wasser und Salz. Diese Zusammensetzung war ja wegbereitend für unser heutiges Brot und ist vermutlich von nomadischen Völkern erfunden worden. Ist schon ein paar tausend Jährchen her. Wir machen also eine Zeitreise zu den Anfängen des Brotes und meines Handwerks. Die tiefer stehende Sonne auf den Fotos verrät es bereits: Begonnen wird mit der Zeremonie nachmittags gegen 17 Uhr.

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Hefe spielt natürlich überhaupt keine Rolle dort, Kühlmöglichkeiten sind so rar wie Supermärkte. Deshalb kann es auch gleich losgehen, da ist ja nix, was gären kann. Und die kleinen Teiglinge werden sofort aufgearbeitet:

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Im Hintergrund sieht man schon den Ofen rauchen. Der vom Feuer erhitzte Tonnendeckel lässt den dünnen Fladen ausbacken:

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Etwas dickere Brotfladen brauchen eine andere Hitze und werden rundum in Wärme gepackt: Der flache Teigling wird in die Asche des Feuers gelegt…

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…und mit Asche bedeckt:

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Ist dieser Arbeitsschritt getan, kann man sich einige Minuten Ruhe gönnen und während des Backvorgangs etwas erzählen…

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Nach 5-6 Minuten wird der Fladen gewendet, damit er auch überall gleichmäßig Hitze abkriegt:

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Und wieder kommt Asche oben drauf:

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Jetzt kann man noch mal fünf Minuten weiter erzählen, dann ist das Brot auch schon fertig:

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J. hat noch gut in Erinnerung, dass das Ergebnis sehr lecker war und das noch warme Brot kein bisschen nach Asche geschmeckt hat. Ich vermute mal, dass das Feuer solch eine Hitze entwickelt, dass sich die Poren des Teiges sofort schließen und da weder Sand noch Asche vom Brot aufgenommen werden.

Außerdem – der verkohlte Tonnendeckel mutet für den Mitteleuropäer an sich vielleicht anders an – ist die gesamte Herstellung von Lebensmitteln sehr hygienisch, es wird sauber gearbeitet. Einer hat immer das Sagen bei der Herstellung, auch wenn dabei fast nicht gesprochen wird. Die Abläufe sind klar hierarchisch geregelt, wir würden dazu wohl am ehesten den Titel Backstubenleiter verleihen. Es wird meistens etwas mehr gemacht als nötig, so dass für das Mittagessen am nächsten Tag noch genug übrig ist.

Oder wie Franz Beckenbauer sagen würde: „In einem Jahr hab ich mal 15 Monate durchgespielt.“

PS: Danke für die Fotos, liebe J.!

PPS: Inspiriert zum Titel dieses Artikels wurde ich von einem großen deutschen Wochenblatt, ein ähnliches Erlebnis mitsamt Rezept ist dort nachzulesen. Viel Spaß beim Nachbacken!

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2 Kommentare

  1. Rosemarie

    Hallo, liebe Wüstenbäckerin! Schön, dass du wieder da bist, hatte schon Entzugserscheinungen – nur das selber Backen hat geholfen! Wünsche dir einen energievollen und erfolgreichen Anfang …. mit Backofen überall! R*

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  2. ingrid l.

    liebe sandra, schön, wieder von dir zu lesen. wenn das auch heißt, dass du z zt auch in der wüste backen könntest. heißer ist es da auch nicht… tolle fotos! auch von mir dank an deine freundin. schönen sonntag und liebe grüße deine ingrid

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