Medial bestätigt


Eine der häufigsten Fragen, sobald das Gespräch auf meinen Beruf kommt, lautet: „Und wie kamst du darauf, eine Bäckerlehre zu machen?“ Tja, wie das halt gerne mal so spielt: Es brauchte dafür ein paar Zufälle, viele Zeichen, eine entsprechende Interessenslage und obendrauf eine Menge Ideen, was ich damit so anstellen könnte. Zum Nachlesen grob unter „Sandra“ zusammengefasst.

Wenn ich das erklärt habe, bekomme ich meist ein Adjektiv vom Gegenüber zu hören: „Mutig!“ Was auch ein schönes Kompliment ist, aber, puh, manchmal finde ich selbst eher andere Bezeichnungen. Die Spanne reicht von „tollkühn“ über „halsbrecherisch“ bis „völlig irre“.

Das sind dann die Momente, in denen ich mir überlege, wie eigentlich mein Rentenanspruch so ausfallen wird in Zukunft – wenn es ihn denn dann noch gibt. Viel vorher kommt die Frage, wie lange mein Körper durchhält, wenn sich jetzt schon die rechte Hand so vehement außer Betrieb gesetzt hatte. Und was ich direkt nach der Ausbildung mache, wie ich eigentlich wieder Geld verdienen will. Abgesehen davon ist mein zukünftiger Beruf anstrengend, schweißtreibend, brandgefährlich, schnittverletzungsanfällig und unterbezahlt.

Diese Momente habe ich aber wirklich seeehr selten. Normalerweise finde ich dieses Handwerk verdammt toll. Das wurde uns ja auch beim Seminar in Weinheim vermittelt: Es ist einer der „geilsten Berufe“ (O-Ton Ausbilder F.) überhaupt.

Auf der internen Ebene, von längst Ausgelernten, Dozenten oder Wandergesellen, höre ich diese Begeisterung für den eigenen Beruf auch immer wieder. Völlig ungefragt kamen aber eine Menge externe Hinweise dazu, dass meine Entscheidung die richtige war. Und auch ein wenig in der Luft lag, irgendwie.

Seit ich das erste Mal darüber nachgedacht habe, bog alle paar Wochen irgendein Printprodukt um die Ecke mit einem Artikel zu Brot oder denjenigen, die es herstellen.

Das ging schon vor meinem Praktikum im April 2012 los. Kein geringeres Blatt als die ZEIT widmete sich in ihrem Magazin einem einzigen Thema: Käsekuchen. Und warum viele Bäcker das mittlerweile angeblich verlernt haben.

Kurz nachdem ich im Juni meinen Azubi-Vertrag dann unterschrieben habe, erschien das Berliner Stadtmagazin Zitty mit einem Titel, der mich schier umgehauen hat. „Mach dein Ding! Anderer Job, anderes Leben. Über Menschen, die einen Neustart gewagt haben.“ Ein Beispiel handelt von einer Frau, die von der Kommunikationswirtin zur Pferdewirtin wird. Oder der Geschäftsführer eines Filmverleihs, der eine Bäckerei aufmacht. Und auf dem Titelbild zu sehen ist, mit Brotschieber vor gefüllten Brotregalen. Ich dreh durch. Warum fragen die nicht mich? Mhm, vielleicht weil ich keine Kontakte zur Zitty hab. Möglich. Der Mann ist übrigens seit meinem Backstubenwechsel im November 2012 mein Chef, die Brotregale werden auch von mir befüllt. So kann das gehen.

Im Herbst legte das andere Stadtmagazin nach, ein Heft von tip über das beste Brot Berlins. Kurze Zeit später wollte die Süddeutsche es wissen und knallt Magazin Nr. 48 raus mit folgendem Titelbild:

Weniger ist Mehl.

Weniger ist Mehl. Ein Heft über Brot.

Mit der Mähne würde der Mann natürlich nie kopfbedeckungsfrei arbeiten dürfen. Anderes Thema.

Seit 2005 erscheint das journal culinaire zweimal pro Jahr zu „Kultur und Wissenschaft des Essens.“ Prompt im November 2012 zum ersten Mal ein Thema aus der Backstube, Titel „Brot backen.“

Und zack! wieder die ZEIT mit einer ganzen Seite zu „Konkurrenz an der Brottheke“. Sehr informative Grafik, kann ich nur empfehlen. Algerier essen übrigens dreimal so viel Brot wie die Deutschen. Hier ein anderer Ausschnitt:

Infografik

Im Moment widmet sich der Tagesspiegel vier Sonntagsausgaben lang einer Serie über Brot. Der erste Teil handelt von einem Brotblogger. Ich glaub es geht los.

Und fühle mich sozusagen im Trend. Und medial sehr bestätigt.

Oder wie Christian Streich sagen würde: „Der eine holt Kraft aus dem Gebet, der andere aus der Badewanne.“

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2 Kommentare

  1. Manuel

    Hey Sandra, grad n bisschen zeit gehabt und in deinem Blick geschmökert…. Und muss sagen: wirklich toll!!!! Deine ehrliche Schreibweise in deine Welt macht es sehr spannend!!! Toll, dass du auch so am Ball bleibst! Freu mich total für dich weil man schon beim lesen merkt, dass du genau den richtigen Schritt gewagt hast!

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  2. Uwe

    Nach Bergmann ist Bäcker der Beruf mit den meisten Menschen, die ihn aus gesundheitlichen Gründen aufgeben müssen – man darf keine Probleme mit Hitze haben (Ofen), mit Kälte (Froster), sollte keine Mehlstauballergie haben (weder gegen Weizen noch Roggen), nichts an der Händen (hoffe, das ist wieder gut), nichts an den Armen, man muss schwer heben können (trotz Maschinen), nichts an den Füßen (den ganzen Tag stehen). Sogar für die Zähne gibt es eine eigene „Bäckerkrankheit“ – ich war schon baff als mein Zahnarzt während meiner Lehrzeit bei einer Kontrolle mir meinen Beruf sagte (Bäckerkaries). Nur im Kopf darf man’s haben 🙂

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