In der Not…*


Meine rechte Hand macht gute Fortschritte, ich kann schon wieder recht gut mit allen zehn Fingern tippen, meine Tasse Kaffee mit rechts halten – aber auf Anraten meines Arztes habe ich nach wie vor einen Verband. Eigentlich nur, damit meine Umwelt sieht, dass hier nix zu belasten ist.  Das fängt schon beim Brot Schneiden an, da muss man ja eigentlich mit einer Hand das Objekt festhalten, um mit der anderen ordentlich sägen zu können. Läuft noch nicht so flüssig. Also eigentlich gar nicht. Am wichtigsten ist aber, dass ich das mit Verband selbst besser kapiere und nicht übermütig werde. Allmählich nervt es allerdings ganz schön.

Es gibt ein TV-Zitat, dass ich mir vergangene Woche aus Platzgründen verkniffen hab. Da die Resonanz auf Würste doch sehr viel umfangreicher ausfiel, als ich dachte, bringe ich es dennoch an, es scheint einen Nerv zu treffen. Kennt jemand noch die Serie Golden Girls?

Rose: An so’ner Wursttheke vorbeizugehen bringt doch immer wieder viele Erinnerungen zurück. 

Dorothy: Tja, Würste öffnen nun mal für viele von uns emotionale Schleusen. 

Schön. Ein Satz fürs bestickte Kopfkissen.

Ich habe bei Voll Wurst einiges mehr weggelassen, bei anhaltendem Backstubenverbot nutze ich die Gelegenheit und mach mal flugs einen zweiten Artikel zu diesem Thema. Das Material reicht locker.

Leserin K. aus L. hat sofort nach der Lektüre des Artikels ihre Liebe zur Mathematik ausgelebt und angemerkt:

“Bei 1500 Wurst- und 300 Brotsorten gibt es 450.000 Kombinationsmöglichkeiten. Dies wiederum bedeutet, dass ein Mensch, der 75 Jahre alt würde, pro Tag mindestens 16,44 verschiedene Kombinationen essen müßte, um ALLE mal probiert zu haben! …und da ist das Kleingebäck NICHT mit eingerechnet!”

Und der Käsekonsum auch noch nicht. Au weia, eine echte Herausforderung.

Seit vergangener Woche gibt es einen neuen Blog in meinem Leben: www.wurstblog.de. Der Autor veröffentlicht nicht ganz so oft und regelmäßig, es gibt also keine Gründe, abzuwandern, ok? Dennoch zitiere ich hier einen unbedingt lesenswerten Beitrag:

“Mensch, diese Trendgetränke immer. Da bin ich gerade erst von Smoothies auf Chai Latte umgestiegen, schon ist Blasentee in Mode. (Auf Englisch Bubble Tea.) Und während auch dieser Trend schon bald vom nächsten abgelöst werden wird (hoffentlich mal irgendwas mit Bier oder so), hat die Fleisch verarbeitende Industrie den Zug mal wieder verpasst. Es wäre so einfach gewesen.“

Wie hier dargestellt:

Bubble Teewurst

Wir kommen zu ernüchternden Zahlen: 1995 gab es bundesweit noch 22.000 Metzgereien. In nur 16 Jahren sank diese Zahl um ein gutes Drittel: 2011 zählen wir noch 15.000 Betriebe! Gegen das Schicksal der supermarktgestützten Vertreibung kämpfen also nicht nur die Bäcker an.

Mir wurde zugetragen, dass trotz ähnlichen Schicksals wohl so etwas wie eine „Hassliebe“ zwischen Bäckern und Schlachtern besteht – ähnlich Köchen und Kellnern, Kölnern und Düsseldorfern, Essern von Curry-Wurst mit oder ohne Darm. Ein Freund hat in früher Jugend den Beruf des Schlachters gelernt und berichtet, dass das schlimmste Schimpfwort in der Zeit wohl der „Bäckersbursche“ gewesen sei. Ich vermute als Synonym für Weichei. Das lasse ich jetzt mal besser kommentarlos stehen… So eine Frechheit! Wir sind doch keine Kondis!**

Apropos Düsseldorf. Wie mir aus sicherer Quelle zugetragen wurde, kann man für über 5 Euro in dieser Stadt eine Currywurst erwerben mit – Achtung, jetzt kommt’s: – Blattgold! Hömma, geht’s noch? Kauft lieber bei ordentlichen Fleischereibetrieben und sichert deren Überleben! Blattgold, ich fasse es nicht. Obwohl, bäckt sich das wohl weg oder kann man damit auch Brote aufhübschen? Nichts da, Schnick Schnack mach ich nicht mit. Basta.***

(Man kann es auch einfacher haben, dachte sich dieser Metzger, pardon, Fleischer in Sachsen:

Knackerstrauß

Also für ’nen Knackerstrauß könnte ich mich durchaus erwärmen…)

Vielleicht können mir die Eltern von Nachwuchs im schulpflichtigen Alter ja Auskunft geben, ob es heutzutage noch so etwas wie „Wurstschnappen“ auf Kindergeburtstagen gibt. Wäre ja ein echter Verlust, wenn nicht. Wem das zu profan erscheint, abgesehen davon noch heftige Langeweile verspürt, gleichzeitig seine Japanisch-Kenntnisse pflegen will und sich kreativ mit Wurst befassen möchte, sollte sich auf dieser Seite einmal tummeln. Wieder kein Witz: Es geht um Origami mit Wurst.

Wurstorigami

Erholung von soviel Aufregung findet man im Fleischermuseum in Böblingen, knappe 100 Kilometer vom Brotmuseum in Ulm entfernt. Der Süden halt wieder… für den nichtvegetarischen Museumsfreund als solchen bietet bestimmt auch das Currywurstmuseum in Berlin einen bunten Strauß Interessantes. War schon mal jemand dort und kann berichten?

Oder wie Dirk Lottner sagen würde: „Ob der Trainer John oder Hans Wurst heißt, ist scheißegal. Wir brauchen wohl einen, der auch noch die Tore schießt.“

Literatur:

http://www.boeblingen.de/,Lde/start/FreizeitKultur/Fleischermuseum.html

http://www.curry36.de/

http://www.currywurstmuseum.de

http://www.freundin.de/kochen-diaet-currywurst-quiz-ode-an-die-currywurst-27048.html

http://www.main-netz.de/nachrichten/regionalenachrichten/franken-rhein-main/art12105,2031053

http://www.nipponham.co.jp/winny/kazari/index.html

http://www.wurstblog.de

http://www.zeit.de/2012/22/Infografik-Wurst

* Der Satz geht weiter mit „…isst der Bauer die Wurst auch ohne Brot.“ Pah.

** Umgangssprachlich für Konditoren.

*** Noch während des Schreibens musste ich erfahren, dass es Blattgoldwurst auch in Berlin gibt. Und dass man Blattgold natürlich verbacken kann. Ts.

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4 Kommentare

  1. kanjada

    Hah! Typischer Fall von Sprichtwortrekombinator aus „In der Not frisst der Teufel fliegen.“ und [sing:] „In der Not, in der Not, schmeckt die Wurst auch ohne Brot.“
    Genug kluggesch***en für heute.
    Toller Blog-Tipp der Wurstblog!!

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    • Du hast so recht 🙂 Ich habs auch gleich mal geändert in den Bauern, der die Wurst isst…so heißt es wohl auch. Aber jetzt weiß ich auch, dass du sehr sehr aufmerksam liest! 😀

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  2. Also, das „Wurstschnappen“ auf Kindergeburtstagen stirbt in der Tat aus – es sei denn, man nimmt Sojawürstchen oder ähnliche Fleischersatz-Produkte, was aber auch irgendwie albern wäre. Ansonsten läuft man große Gefahr, es sich mit den vegetarisch oder gar vegan lebenden Eltern der lieben Kleinen so richtig ordentlich zu versch***, auch wenn die Freude der potentiellen Wurstschnapper ziemlich groß wäre, wenn endlich mal wieder was vernünftiges auf den Tisch käme…. Aber die nicht abschätzbaren sozialen Folgen für die Reputation des Kindes UND der Mutter haben mich jedenfalls bisher von derartig riskanten Experimenten abgehalten.

    Aber was noch viel bedauerlicher ist: Irgendwie scheint die gute alte Scheibe Lyoner, die einem als Kind immer von der netten Fleischerei-Fachverkäuferin über die gläserne Theke gereicht wurde, als Kundenbindungsinstrument völlig abgeschafft worden zu sein. Wie schön war doch der Satz: „Da Schätzle, kriegsch a Rädle Wurscht!“ (die Süddeutschen werden es verstehen) …
    Mit verklebten, schmutzigen Fingern (und OHNE Brot :)) schmeckte die Wurst einfach am Besten….

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  3. jaaa, man sollte tatsächlich alle Blogbeiträge gelesen haben, bevor man selber seinen Senf abgibt 🙂 – nun gut, zumindest ist nun offiziell bestätigt, dass zumindest in Bezug auf die Wurst als Werbegeschenk zwischen Baden und Württemberg kein Unterschied gemacht wurde… Und ich würde gerne wissen, in welchem Berliner Metzger oder von mir aus auch Fleischer das heute noch praktiziert wird – möglicherweise bekäme dieser dann Kundenzuwachs!

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