Voll Wurst


Ich habe Backstubenheimweh. Ganz im Ernst, etwas körperliche Erholung tut zwar gut und Not, mit meiner rechten Hand kann ich sowieso noch nicht mal die volle Kaffeetasse halten. Aber so ganz ohne Backen fehlt mir was. Nicht zuletzt ein Artikelthema. Also greife ich für den Blog mal tief in meine Trickkiste und siehe da, da ist noch was auf Halde…

Auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen widme ich mich heute einem fachfremden Thema, was aber meist in Zusammenhang mit Brot gebracht wird: Wurst.

An dieser Stelle entschuldige ich mich schon mal in aller Form bei meinen vegetarischen Leserinnen und Lesern und hoffe, sie halten mir dennoch die Treue.

Was also weiß ich über Wurst. Nüschte, nicht viel jedenfalls, da fang ich doch mal ganz von vorn an.

Als ich noch in handlicher Form in den Kindersitz des Einkaufswagens passte, gab es beim Metzger immer „ä Rädle Wurschd“, meistens Lyoner (so heißt Fleischwurst in meiner Heimat). Da wollte ich wohl auch immer gerne mit zum Einkaufen. Schon sehr früh kam ich also in Kontakt mit einem Marketinginstrument und wurde als Kunde gebunden. Hat geklappt. Wie mir von meinen Freunden mit Nachwuchs neulich berichtet wurde, kommt diese Strategie bis heute unverändert zum Einsatz.

Ein paar Jahrzehnte später beschäftigte ich mich im Studium eher mit der Herkunft unserer Sprache. Ich hab mich zu dem Zeitpunkt zwar auch ernährt, aber aus Kostengründen meist fleischarm. Dafür fand ich es zum Beispiel ungemein spannend, wie sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnungen für den „Handwerker, der Fleisch verarbeitet und verkauft“ verteilen:

Metzger Fleischer Schlachter

Ohne es zu beabsichtigen, habe ich bereits in den drei größten Sprachgebieten gewohnt. Und finde nach wie vor keine der Berufsbezeichnungen schön. Nichts toppt den Bäcker, aber das war ja wohl vorher klar.

Für diesen Artikel habe ich natürlich ausführlich recherchiert und verschiedene Fakten zu Tage gebracht.

Es gibt in Deutschland ca. 1.500 Sorten Wurst. Krass, wenn ich mir mal so überlege, mit was ich montags üblicherweise  mein Pausenbrot für die Schule belege. Da könnte ich schon mal mehr Abwechslung reinbringen. Jedenfalls passt das ganz gut zu den geschätzt 300 Brotsorten und 1.200 Kleingebäcken, die wir hierzulande im Angebot haben.

Sogenannte Rohwürste machen ca. 30% aller Wurstarten aus. Sie werden zum Beispiel mit Milchsäurebakterien haltbar gemacht. Jaaa! Die kenn ich! Beim Sauerteig sind sie auch am Start!

Ja, also, zurück zum Thema. Brühwürste werden ungleich mehr verzehrt, die haben einen fast doppelt so hohen Marktanteil, nämlich 58%. Im Klartext: Lyoner schlägt Salami. Kein Wunder, liegt sicher an den Milliarden Rädle Wurschd, die an kleine Kinder verteilt werden.

Olympique Lyoner

Undenkbar wäre meine Wahlheimat Berlin ohne Curry 36 in Kreuzberg. Mein absolut favorisierter Curry-Wurst-Imbiss. Ich war noch überhaupt gar nie bei dem anderen da, der ja angeblich ähnlich gut sein soll. Gerüchte. Vermutlich sind aber nicht nur die beiden Standorte schuld, dass in Deutschland pro Jahr 800 Millionen Curry-Würste gegessen werden.

Bei meiner ersten Curry-Wurst war ich übrigens schon 29 Jahre alt, kein Witz. Ich hab’s mir extra gemerkt, um das mal sagen zu können. Immerhin hab ich sie auf einer damaligen Dienstreise in Berlin verzehrt. Aber bei irgendeinem dahergelaufenen Imbiss am Bahnhof Zoo, von daher war sie nicht so spektakulär.

Auch McDonald’s hatte ja Curry-Wurst im Angebot – und schon wieder eingestellt, weil nicht lecker. Die Wurst dazu kam übrigens aus der Wurstfabrik von Herrn Hoeneß. 2012 produzierte diese insgesamt mehr als 120.000 Tonnen Zeugs. Was dem Herrn Hoeneß im Moment aber ziemlich wurscht sein dürfte:

Der Herr Hoeness - Danke, Isot, für den Cartoon!

Oder wie von Bismarck sagen würde: „Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.“

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2 Kommentare

  1. Dorine

    Liebelein,
    Zeit für meinen ersten Kommentar: gaaaaaanz großes Kino, der Uli-Hoeneß-Cartoon, habe ich gleich mal munter an meine Dortmunder Verwandtschaft verschickt. Currywurst assoziiere ich dann noch zunehmend mit einem sehr nassen Event Ende letzten Jahres und einem ausgesprochen angenehmen Plausch kurz vor der Probe kürzlich. Das schreit nach Wiederholung! Da freue ich mich drauf.
    Beste Grüße in den Süden von der Dorine
    PS. Ist das mit Bismarck der Cliffhanger für den nächsten Blog-Eintrag? Klingt nach einem Ausflug ins Fisch-Metier, Bismarck-Hering und so… 😉

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  2. Rosemarie Laser

    Hi Sandra,
    für deinen Zustand sagen die Franzosen „aschäs“ – was ich in meinen Anfangszeiten beim Zuhören in Frankreich als „à chaise“ = „auf dem Stuhl“ entschlüsselte, weil die Leute, die das von sich behaupteten, meistens fast wie leblos auf einem Stuhl rumhingen. Später erfuhr ich dann, dass es sich bei diesem Ausdruck um eine Abkürzung handelte, nämlich „h.s.“ – was in vollem Wortlaut „hors service“ = „außer Betrieb“ hieß!! Ha, ha!….Nun, ich hoffe, dass dein Backstubenheimweh nicht mehr so lange warten muss, um sich aufzulösen! Aber jetzt genieße noch die Ruhe vor dem Sturm, und wenn du Sehnsucht nach selbstgebackenen Brötchen/Fladen hast, dann musst du einfach bei mir vorbeikommen – sie sind nämlich gerade im Ofen!—
    Deinen Exkurs über „Wurst“ fand ich super….erinnere mich dunkel an „Wurst im Schlafrock“ – das macht für mich die Verbindung von Brot zu Wurst, von Bäcker und Fleischer/Metzger usw:!
    Mach’s ganz gut, weiter gute Heilung für deine Hand und bald wieder fröhlich singen mit uns allen in x-berg!!! Liebe Grüße, R*

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