Knöpfe und Knoten


Seit dieser Woche habe ich einmal pro Woche praktischen Nachmittagsunterricht bei der Innung in Berlin, insgesamt 32 Mal. Es gibt zwei Klassen, ich bin in der Klasse, die schon um 13.30h anfängt, was super ist, so schaffe ich es abends rechtzeitig zum Chor. Aber das nur nebenbei.

Wenn man unsere Berufsschullehrer hört, dann gehören Bäckerlehrlinge übrigens mittlerweile zu einer vom Aussterben bedrohte Spezies. In Berlin gab es vor einigen Jahren noch an die 120 Lehrlinge pro Jahr, jetzt sind es gerade einmal 30. Eine überregionale Zeitung aus dem süddeutschen Raum prägte bereits im März 2012 den schönen Satz: „Azubis sind knapp.“ Einige große Bäckereien haben sich schon ganz aus der Ausbildung verabschiedet, denn zum „Knöpfe drücken“ an großen Maschinen bedarf es keiner Lehre.

Eine Schweizer Gastronomiekette reagierte auf ausbleibende Azubibewerbungen mit der Einführung von Geldprämien für gute Noten, für die Besten gibt es auch einen Dienstwagen oder ein iPhone. Das hat sich bis Berlin leider noch nicht herumgesprochen.

Vor diesem Hintergrund fällt natürlich jemand auf, der noch dazu Motivation und eine gute Portion Alles-wissen-wollen mitbringt. Aber ich bin zum Glück auf gar keinen Fall die einzige, aber vielleicht diejenige, die auch schon mal fürchterlich viele Fragen stellt und nachhakt. Könnte manchen Mitazubis auf die Nerven fallen. Bei so einer Einstellung leuchten allerdings auch die Augen von gestandenen Bäckerausbildern. Die dann gerne schwupps dazu übergehen, die Ausbildung zum Meister schmackhaft zu machen. Aber erstmal Gesellin werden, so.

Dazu braucht es besonders praktische Fähigkeiten, die eben einmal die Woche vertieft werden. Die erste Unterrichtseinheit waren Flechtgebäcke: Zöpfe, Knoten, Schaugebäcke. Man kann mit Teig unglaublich viel anstellen, Flechtgebäcke sind definitiv was für mich:

Zum Nacheifern reiche ich hier die Anleitung zum einfachen Knoten weiter. Meine Gebäcke sahen sehr anständig aus, was aber natürlich darin begründet ist, dass ich im Betrieb ständig Rosinenknoten flechte. Und wieder ein Sprichwort, dessen Wahrheitsgehalt ich bestätigen kann: „Übung macht den Meister.“:

Einstrangknoten

Das Ergebnis sollte ungefähr so aussehen:
IMG_7536

Ich rate dringend dazu, das auszuprobieren, macht nämlich jede Menge Spaß!

Oder wie Mehmet Scholl sagen würde: „Die schönsten Tore sind diejenigen, bei denen der Ball schön flach oben rein geht.“

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8 Kommentare

  1. Michael

    Ja und wir alle müssen alles dafür tun das unser Beruf der wirklich klasse ist wieder mehr Akzeptanz bekommt dafür stehe ich jeden Morgen auf. Das ist meine Aufgabe in der Innung.
    Was wir auch brauchen !!!!
    Mehr Lehrlinge mit der Einstellung von Bakingsandra :0)😄
    Weil die ist einfach toll 👍😀

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  2. Die geringe Zahl der Lehrlinge entspricht wohl auch der leider fortlaufend abnehmenden Zahl handwerklicher Bäckereien in dieser Stadt.

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    • Michael

      Ja leider ist das so :O(
      Und alle die das lesen fordere ich auf wieder beim Handwerksbäcker zu kaufen und zu genießen, denn wenn Ihr das nicht macht habt Ihr bald keine Möglichkeit mehr gutes Backwerk in den Händen zu halten.
      Ja dann wird es so kommen wie bei der guten Wurst die man zu 90 % auch nur noch eingeschweißt im Einzelhandel bei Aldi, Lidl, Plus oder Minus findet.
      Da stelle ich mir immer die frage wollen wir das wirklich ?????
      Nur noch Hauptsache billige Brote und Brötchen essen die vieleicht schon 6 und mehr Wochen in einem Kühlcontainer über die Weltmeere gereist sind.
      Ist es wirklich wichtiger den neuesten Fernseher, das neueste Telefon oder das neueste Auto zu besitzen und dafür bei der Ernährung zu sparen.
      Viele Grüße vom Bäcker

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      • Ich glaube, das Thema verdient unbedingt einen eigenen Artikel. Lass uns mal dran arbeiten, Michael!

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      • Rosemarie Laser

        Hallo an den Bäcker Michael!
        Ich teile voll die Ansicht! Ich will wieder wissen, was ich esse und wo ich meine Backwaren von Hand herkriege! Es sollen LEBENS-mittel bleiben und keine undurchsichtigen Präparate! Die Franzosen haben uns da einiges voraus…..es tut so gut zum Bäcker an der Ecke zu gehen! Wir wollen ganz viele Baking-Sandras!!! R.*

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  3. Rosemarie Laser

    Hi Sandra,
    danke für die Knoten! Die werde ich bei nächster Gelegenheit probieren! ….müsste nur noch wissen, wie es geht, dass der Knoten beim Backen nicht auseinanderfließt???
    Als eine, die auch lehrt, muss ich dir sagen, dass mir die Teinehmer mit vielen Fragen sehr lieb sind! Obendrein macht das den Unterricht oft lebendiger! Lass dich bestärken in deinem Wissensdurst!!! liebe Grüße, R.*

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  4. Paul

    Hallo Sandra, ich backe gerne Milchmohnzöpfe. Bisher habe ich die Zöpfe nach dem Aufgehen mit Eigelb bestrichen und den Mohn rübergestreut. Geht das auch anders?

    Und noch eine Frage bzw. Bitte. Hast Du zufällig auch das Rezept für Berliner Splitterbrötchen? In meiner Kindheit konnte man diese bei nahezu jedem Bäcker kaufen.

    Lieben Dank!
    Paul

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    • Ja, das geht anders: du kannst VOR dem Aufgehen mit Ei bestreichen und dann in Mohn wälzen. Allerdings ist es da von Vorteil, eine große Schüssel voll Mohn zu haben, das hat man ja nicht immer so vorrätig. Zu den Splitterbrötchen: da kann ich dir leider nicht weiter helfen, ich würde auch einfach im Netz suchen…

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