Volles Rohr


Wie angekündigt war ich diese Woche beim „Elite-Seminar“ der Weinheimer Bäcker-Akademie, zusammen mit 14 anderen Lehrlingen und einer Berufsschullehrerin. Natürlich habe ich zwischendurch auch den Ausdruck „Streber-Seminar“ gehört, aber das ignoriere ich.

Erstmal gab es ein Namensschildchen für jeden Teilnehmer. Bei einigen stimmte der Nachname auf dem Schildchen mit dem Namen der Bäckerei auf ihrem T-Shirt überein. Mehr Azubis als ich gedacht hätte, lernen den Bäckerberuf im Familienbetrieb.

Völlig ungewohnt war die gespannte Stille, mit der meistens alle den Seminarleitern lauschten. Auf Fragen wurde zügig reagiert, Aufforderungen, nach vorne zu kommen und sich etwas anzusehen, sehr schnell nachgekommen und mit den Smartphones wurde ausschließlich fotografiert. Hammer. Aber nicht nur in Berlin wird gerne auf dem Smartphone während des ganzen Unterrichts gespielt oder Musik gehört, das scheint so oder ähnlich auch in anderen Regionen zu sein.

Und dann: Backen volles Rohr! Es ging gleich mal los mit Brezeln. Jawollja, es bleibt mein Lieblingsgebäck. Der Teig hatte eine leicht andere Zusammensetzung, war viel geschmeidiger und ließ sich klasse schlingen. Aber jetzt erstmal Fotos volles Rohr:

IMG_7280

Unsere Seminarleiter am Arbeitsplatz, großartig: der verstellbare Spiegel im Hintergrund. Biolek wäre neidisch.

IMG_7284

Zwei Etagenöfen à 5 Etagen, bei 16 Teilnehmern immer voll bis an den Rand. So ein Ofen piepst übrigens, wenn die Zeit abgelaufen ist. Was sich übrigens manchmal anhört, als wäre man bei McDonalds in der Küche. Eine Erfahrung, die ich nach dem Abitur ein paar Wochen lang gemacht habe, ich weiß also, wie das klingt.

Unsere Kleingebäcke im Überblick (klicken zum Vergrößern):

Am Ende des ersten Tags haben wir den Sauerteig für den nächsten Tag vorbereitet. In der Backstube standen ca. sechs bis sieben kleine Kneter, damit auch jede Gruppe ran durfte. Auf dem Plan waren ein Roggen- und ein Weizenmischbrotteig samt verschiedener Aufarbeitungsvarianten:

Als Bonus-Track wurde uns „pane rustico“ vermittelt: Ein italienisches Weißbrot mit „geiler Porung“ (O-Ton Seminarleiter F.) und wirklich dollem Geschmack:

Auf Tag 3 hatte allerdings kaum jemand Bock. Torte. Au weia. Einstreichen, gleichmäßig. Ich weiß schon, warum ich nicht Konditorin werden will. Für den Schmadderkram, der Butterkrem sauber zu verstreichen heißt, hab ich einfach kein Händchen, schon gar nicht unter Zeitdruck. Bei mir war der eine Ausbilder auch unter Garantie am längsten, das Zeug wollte einfach nicht gleichmäßig an den Tortenböden haften. Schön auch der Kommentar: „Na, es ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen.“ Wie wahr. Nä, dann lieber einen ehrlichen Rührkuchen, ganz im Ernst. Mein Arbeitstischnachbar rechts hat mich unbewusst allerdings auch ein wenig unter Druck gesetzt, so schnell, wie der durch war mit allem.

Womit ich absolut keine Schwierigkeiten hatte, war das Einstreichen der Tortenböden (vor der Krem) mit der Cointreau-Läuterzucker-Mischung, damit das Ergebnis nicht so trocken wird.

Mit Dekokram ist die Bäcker-Akademie hochkarätig ausgestattet, man kann da ja auch einen mehrmonatigen Meisterkurs belegen. Hätte ich mehr Zeit gehabt, so etwa fünf Stunden mindestens, hätte ich da schon was draus basteln können. Mein Tischnachbar zu meiner Linken merkte nach dem Einstreichen auch, wie die Zeit rapide verstrich und ballerte schön von den Pistazienkernen oben auf seine Torte drauf.  Damit sie nicht so nackig aussieht. Was der Ausbilder kommentierte mit: „Sie wissen schon, dass ein Kilo Pistazien 60 EUR kostet?“ Äh, klar, nee, jetzt schon. Na, zahlt ja die Akademie.

Die Exemplare können sich durchaus sehen lassen. Wer wollte, konnte sein Werk mitnehmen, ich hab meins den Kollegen mitgebracht. Und der Cointreau zeigte Wirkung, angeblich würde der Verzehr von mehr als einem Stück gegen die Dienstvorschriften verstoßen. Ich sag ja, den Part fand ich kinderleicht.

Oder wie Michael Ballack sagen würde: „Wir können sowas nicht trainieren, wir können das nur üben.“

893128_435159896571542_229834078_o

 (Alle Backwaren, die nicht von den Teilnehmern aufgegessen werden, gehen übrigens an die „Tafel“.)

Advertisements

5 Kommentare

  1. Jerome Florian

    Find ich ja wirklich klasse was du mit den Fotos alles zauberst. Sehr interessant zu lesen! Top! Ach so, tut mir leid ich wollte dich nicht unter Druck setzen 🙂

    Gefällt mir

    • Dankeschöön! Da wollt ich noch kurz den ersten Abend im -wie hieß der Absturzladen noch gleich? – erwähnen und habs vor lauter Tortenbildern dann doch verpeilt…schade eigentlich.

      Gefällt mir

  2. Rosemarie

    ……nun sind wir Blogleser mehr als im Bilde nach all diesen vielen Fotos!! Super der Rapport von deinem „Eliteseminar“! Von den Torten hätte ich so gerne probiert, bevor sie an die Tafel gehen! Du machst dich echt gut hinter deinem Meisterwerk (welche war wohl deine Torte?)—

    Gefällt mir

  3. Wie kriegt man denn den „Schmadder“ so schön um den Rand rum??

    Gefällt mir

    • Frag nicht – das ist eine Wissenschaft für sich. Wenn wir uns mal wieder sehen, kann ich das mal zeigen, schreibend erklären geht kaum…

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: