Im grünen Bereich


So, was war los diese Woche? Die Grüne Woche, die war los. Mann, war die los!

Und zwar hatten wir sozusagen einen Schulausflug. Montag nach dem zweiten Block gegen 11h15 okkupierten wir die komplett überfüllte S-Bahn zum Messezentrum. Immerhin fuhr sie. Ist ja bei dem Wetter auch nicht selbstverständlich. Nicht-fahrende S-Bahnen müssen bei vielen Schülern übrigens gerne als Verspätungsgrund herhalten, dafür hat jeder Lehrer Verständnis. Ob es nun wahr ist oder nicht. Berlin halt.

Die meisten hatten so was von keinen Bock auf die Grüne Woche. Ich schon, ich war ja da noch nie und komm bestimmt nicht mehr so schnell hin für 4 EUR. Das zahlen Schulklassen pro Schüler.

Da ja jeder für sich gehen durfte, bekamen wir von unserer Lehrerin einen Messe-Plan, wo denn welche Köstlichkeit zu kosten ist. Samt einer Auflistung über die Standplätze der Bäcker-Innung und dem Tipp, sich unbedingt den russischen Brot-Stand anzusehen. Aber da hatten sich schon die meisten für Halle 6 entschieden, den proBier-Markt. Himmel, ich fühlte mich wie der Mega-Streber, dass mich der Russland-Stand wirklich interessierte. Das dachten die anderen vermutlich auch.

Diejenigen, die sich also überhaupt nicht motivieren konnten, suchten direkt nachdem die Lehrerin sich ins Getümmel geschmissen hatte, den Ausgang. Die anderen Halle 6. Immerhin zu dritt begaben wir uns auf den langen Weg zur Bäcker-Innung, Halle 23. Nach 10 Minuten waren wir nur noch zu zweit, das einzige andere Mädchen der Klasse und ich.

Im Unterricht ist sie eine ganz Ruhige, sehr zurückgezogen und sehr selten da. Aber als wir da zu zweit Ellenbogenausfahrkommando gespielt haben und uns durch die Gänge drückten, taute sie auf und wir haben uns toll unterhalten. So gut es eben ging in dem Getümmel.

Bei der Innung angekommen, wollten mir die Bäcker gar nicht glauben, dass ich auch Azubi bin. Ts. Gänzlich entrüstet hab ich mit meinem Schülerausweis gedroht. Und meine Mitschülerin hat meinen Status auch bestätigt, was sie zum Glauben bewog. Erstmal habe ich dann den Hauptbäcker davon überzeugt, dass wir ganz unbedingt je eine von den Werbe-Schürzen brauchen sowie eins von den Schiffchen für den praktischen Unterricht. Von der Schule aus haben wir Papierschiffchen mit Werbe-Aufschrift eines bösen Backmittelfabrikanten. Zeit, das mal abzulösen.

Die Innung hat einen recht großen Stand, drei Bäcker sind am Werk dort und beschicken die Öfen mit Brot und süßem Gebäck. Im nächsten Jahr soll ich unbedingt mitarbeiten bei der Innung, das dürfe man als Azubi im dritten Lehrjahr. Na, das merk ich mir doch gerne! Die Schürze hab ich ja schon mal.

Weiter ging es zu Halle 2 und zum russischen Brot. Uns ist beiden der Unterkiefer heruntergeklappt:

(Fotos anklicken zum Vergrößern)

Das alles ist Brot. Wie ich von den dekorativen Ausstellerinnen erfahren habe, waren damit zehn Bäcker zehn Tage lang beschäftigt. Es wurde in Moskau gebacken und dann per LKW nach Deutschland gefahren. In Russland bäckt man solche Gebild-Brote zu besonderen Anlässen, zu Hochzeiten oder für Geburtstage. Ja, das kann man alles essen, macht aber kaum jemand, ist ja zu schade dafür. Ob die mal in Halle 23a beim Stand „Zu gut für die Tonne“ waren?

Und klar hab ich nachgefragt: „Bäcker“ heißt auf Russisch „пекарь“, was fast genauso klingt wie das deutsche Wort! (Das anlautende B geht mehr Richtung P, der interessierte Leser kann sich das hier anhören.)

Dann bin ich alleine weiter, meine Mitstreiterin hat sich auf den Weg Richtung Bett gemacht, weil sie um Mitternacht zum Dienst musste. Ich wurde noch beim Stand der Müller vom Azubi im dritten Lehrjahr informiert, der mir ganz stolz das kleine Mahlwerk vorführte, das da stand. Die große Firma in Hamburg mit dem Sonnenstern produziert täglich 500 Tonnen Mehl! Wow. Und für Spätzle nimmt man körnigeres Mehl, damit sie bissfester werden.

Ich habe wirklich viel gelernt bei unserem Ausflug. Aber nichtsdestotrotz: Kann mir jemand erklären, warum das noch mal „Grüne Woche“ heißt? In den Bio-Nachhaltigkeits-Hallen war wesentlich weniger los, als zum Beispiel bei den Bayern, wo der Messe-Besucher als solcher mit einer Menge Bier und Würstchen versorgt wurde. Sicher nicht öko. Sehr trubelig war es auch in der Küchen-Utensilien-Halle. Die Menge stürzte sich regelrecht auf die Silikonformen, Teflon-Töpfe oder die messe-übliche Gemüse-Reibe aus Plastik, made in Taiwan.  Zum eimaligen Messe-Preis von 35 statt 39 Eur. Kostenfreie Häppchen gab es übrigens nirgends.

Oder wie Jan Böhmermann sagen würde: „Fußball ist wie Schach. Nur ohne Würfel.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: