Renaissance


Heute starten wir mit einem Zitat aus einem Berliner Stadtmagazin, frisch erschienen am 7.11.2012 zum Thema Comeback des Bäckerhandwerks:

„Es ist an der Zeit, mal danke zu sagen. Danke, Bäcker, dass ihr morgens um 2 mit der Arbeit beginnt. Danke, dass ihr noch den Teig mit der Hand knetet. Und danke, dass ihr stundenlang in der heißen Backstube ausharrt. Würdet ihr das nicht machen, müsste ich auf einen meiner Lieblingsgenüsse verzichten: frisch gebackenes Brot, außen knusprig und innen noch ganz leicht feucht, das einen sanften Duft verströmt und auf das ich nur ein wenig Butter streichen muss, um eine wunderbare Mahlzeit zu bekommen.“

Hach. Das geht doch runter wie Öl. Auch wenn mein Meister um 20h mit der Arbeit beginnt. Und die Backstube jetzt nicht so irre heiß ist. Außerdem macht die Arbeit einfach total Spaß, mir jedenfalls, ich hab ständig gute Laune und das hat nix mit „aufopfern, damit andere leckeres Brot haben“ zu tun.

Ich erlebe auch eine Art Comeback: Ich weiß jetzt wieder sehr genau, warum ich die Ausbildung mache und diesen Beruf erlernen will. Das „Feeling“ ging mir ja etwas flöten zwischendurch.

In der vergangenen Woche wurde ich öfter gefragt, ob das nicht sehr hart sei, das mit dem Wecker, der freitags und samstags um 1h30 klingelt. Antwort: Nö. Weil die Nachtschicht etwas sehr Schönes ist, finde ich. Gut, Zweifel an meiner Zurechnungsfähigkeit nehme ich gerne hin. Ich erkläre mal, was ich daran so schön finde.

In „Neu und anders. Ganz anders.“ habe ich ja den Weg mit der U-Bahn beschrieben, in der es doch sehr laut zugeht, hektisch ist, das beherrschende Thema ist die Abfolge der Stationen („wie lange fahren wir noch?“), umrahmt von vehementen Versuchen, sich total hacke auf den Fahrplan zu konzentrieren.

Dann steige ich aus, gehe diese sehr stille Straße entlang (jetzt ist es schon ca. 2h35), alles ist stockduster, nur die Backstube ist hell und leuchtet auf die Straße. Wenn ich mich umdrehe und es nicht völlig neblig ist, sehe ich den Fernsehturm. Vor der Bäckerei kann man das frische Brot schon riechen, Süßkram mit viel Zimt duftet dazwischen hervor, drinnen laufen die Öfen auf Hochtouren, eine ganz andere Betriebsamkeit ist geboten. Nach einem herzlichen „Moin“ geht’s an Umziehen, Schürze an, Schiffchen aufsetzen, Hände waschen und los. Das Schiffchen zerstört mir übrigens immer die Frisur, DAS finde ich total schlimm! Wie angeklatscht sieht das nach Schicht dann aus. Schafft keine Pomade, so einen Effekt.

Wenn der Laden aufmacht und die ersten Kunden kommen, sind alle Brote, Brötchen, Kuchen, Croissants und auf was man noch so Hunger hat, längst in den Regalen und hinter dem Spuckschutz (das heißt wirklich so), sehen lecker aus und erfreuen die Kundschaft. Es ist toll, was für ein Lächeln man in die Gesichter zaubern kann, wenn man den Korb mit frischen Brötchen, die noch ofenheiß sind, auffüllt.

Im Text des Stadtmagazins geht es übrigens weiter: „Was man als Konsument leichtfertig als eine einfache Freude bezeichnet, ist für den Bäcker ein kompliziertes Handwerk. Und fast wäre es verschwunden. Der Teigling schien das Ende der Backkunst zu bedeuten. Diese faden Tiefkühlklöpse wurden nicht nur in den Tankstellen in die Aufbackstationen geschoben, sondern immer häufiger auch in angeblichen Bäckereien, die nicht buken, sondern das Backen nur noch simulierten. (…) Aber es gibt Hoffnung: Nachdem das traditionelle Bäckerhandwerk schon fast verschwunden war, erlebt es ein ofenfrisches Comeback.“

Yeah. Und ich darf bei der Renaissance dabei sein! Ein sehr schöner Trend. Ich hab gestern übrigens fast geheult, als ich beim Einkaufen Toastbrot im Supermarkt gekauft habe, weil sich meines für Toast Hawaii einfach nicht eignet, die Scheiben sind zu klein. Ich übe noch.

Oder wie Christoph Daum sagen würde: „Einige Spieler wissen zwar, wer im Film ‚Star Trek‘ welche Rolle spielt, aber nicht, mit wem sie es im nächsten Spiel zu tun haben.“

Ein Bäcker mit seinem Lehrling beim Brot backen.

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Ein Kommentar

  1. Rosemarie Laser

    Hi Sandra – was zufriedene Kunden bewirken können! Und dann spielt neben den Augen, die die knusprigen Brötchen sehen, ganz entschieden auch die Nase eine große Rolle! Das frischgebackene Brot verströmt einen so herrlichen, unwiderstehlichen Duft! Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum ich so gerne zu Hause backe und dafür den Schreibtisch im Stich lasse! Nun wissen wir aber immernoch nicht, wo wir deine leckeren Brötchen mal probieren können!?…Na, ich wünsch dir wieder eine tolle Woche, in der Schule wie am Backofen! Lieben Gruß, Rosemarie*

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