Neu und anders. Ganz anders.


Seit 1. November habe ich einen neuen Schichtplan. Und andere Kollegen. Und einen anderen Meister. Und meine Backstube eine neue Adresse. Seit 1. November habe ich einen neuen Ausbildungsbetrieb.

Das Konzept einer Großbäckerei kennen zu lernen war eine bereichernde Erfahrung, keine Frage. Aber der Zufall hat sich ganz vorlaut gemeldet und einfach so in die erste Reihe geschoben. Das Motto lautete „Ich kenn jemanden, der jemanden kennt“ und dieser Jemand kennt jemanden, der jemanden kennt, der eine kleine Backstube mit Café hat. In der ein Azubi fehlt.

Durch mein Praktikum hatte ich ja schon einen klitzekleinen Einblick, wie es in einer kleinen Backstube so zugeht. Meine Kollegen dort haben mich ja auch bei allem mitmachen lassen: Zutaten abwiegen, Teig bereiten, Teiglinge abwiegen, rundwirken, Brezeln schlingen, Brote in den Ofen schieben, im Verkaufsraum auffüllen, Blechkuchen belegen und was eben sonst so anfiel. Ich habe festgestellt, dass mir das sehr gefehlt hat, das Handwerkliche eben.

Und zweimal minus ergibt nun einmal plus (wusste ich auch schon vor der Berufsschule) und zweimal Fehlendes lässt sich ja prima ausgleichen. Seit 1. November hat die kleine Backstube mit Café also eine Azubi und ich hab das Handwerkliche. Und zwar satt! Mit komplettem oben beschriebenem Programm und noch viel mehr plus im Café helfen, direkte Rückmeldung durch zufriedene, glückliche Kunden und alles. Zufrieden und glücklich bin ich auch, sehr sogar!

Dass ein Lehrling den Ausbildungsbetrieb wechselt, kommt übrigens häufiger vor, in meiner Klasse sind auch ein paar Jungs, die gewechselt haben. Es ging auch alles ratzfatz über die Bühne, weil ja noch Probezeit. Jetzt muss ich mich nur noch dran gewöhnen, dass ich an zwei von vier Arbeitstagen um 3 Uhr meine Schürze umbinde und loslege (vorher startete ich ja um 14 Uhr). An den anderen zwei Tagen beginne ich um 8 Uhr, also fast normal.

Heute aber war so ein 3 Uhr-Tag für mich. Schon spannend, was andere Leute so machen, Samstag früh um diese Zeit. In der U-Bahn war unglaublich viel Partyvolk unterwegs, jeder mindestens eine Bierflasche in der Hand, Bierfahne im Gesicht, es wird ja dann auch gerne sehr laut gesprochen (am besten von allen gleichzeitig, gerne auch mit Gesang), neben mir ploppte eine Flasche Sekt, der sprudelte natürlich aus der Flasche, mir schön auf die Füße. Mir wurde auch ein Becher angeboten, voll nett. Ist aber irgendwie nicht ganz mein Film, so kurz nach Aufwachen, Duschen und Kaffee, vielen Dank.

3 Uhr anfangen bedeutet um 18 Uhr: Husch husch ins Bett und am besten sofort schlafen. Was natürlich nicht funktioniert. Das ist dem Wecker ja egal, er klingelt wie bestellt um 1:30 Uhr. Weniger als sieben Stunden sind für mich zwar hart an der Grenze zur Schlafunterversorgung, acht Stunden sollten das schon mindestens sein, sonst krieg ich schlechte Laune. Aber nützt ja nix, 17 Uhr ist mir dann doch entschieden zu früh zum Schlafen. Mal sehen, ob ich es aushalte.

Oder wie Jean-Paul Sartre sagen würde: „Beim Fußball verkompliziert sich alles durch die Anwesenheit des Gegners.“

Das ist eine Brötchenpresse, so eine steht auch in der Backstube. Und der Name passt auch. Nein, sie kommt nicht aus Düsseldorf und hat wirklich nichts mit Fußball zu tun.

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8 Kommentare

  1. Christine

    Hui! Das sind ja Neuigkeiten! Good Luck aus London!

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  2. Da bleibt sicher keine Zeit für die Pflege des Italienischen …

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    • Erstmal nicht, aber ich versuche kommendes Jahr wieder im Pflegekurs dabei zu sein.

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  3. Bernd Pieper

    Du machst Sachen … und hättest Deine Begeisterung für das Backen zu NABU-Zeiten gerne häufiger ausleben können. 1:30 Wecker ist aber ziemlich heftig. Wo liegt denn die kleine Backstube, auf dass man Deine Fähigkeiten einmal testen kann?
    Durchhalten, Bernd

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    • Den Namen der kleinen Backstube schicke ich dir mal per Mail, alle anderen (besonders Blogleser aus Berlin) müssen erstmal noch raten 🙂

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  4. Rosemarie Laser

    Hallo Sandra!
    Heute ist Sonntag und du konntest hoffentlich ausschlafen – und bevor ich heute noch an meine Brioche – Produktion gehe, ein paar Bemerkungen zu deinem neuen Alltag. Nachtarbeit finde ich eine absolute Herausforderung – findest du dazu den nötigen Ausgleich?
    Frage: wie machst du das eigentlich, dass du bei dieser sehr fordernden Arbeit immer so fröhlich und ernergiegeladen erscheinst? Das soll dir jedenfalls erhalten bleiben!- Eine Bezeichnung aus der Bäckersprache finde ich fast niedlich: Teiglinge! (assoziiere Zwillinge, Rohlinge, Bratlinge, …. ) – Zur Brötchenpresse: da fehlt mir die sensible Rollen der „Teiglinge “ mit beiden Händen! Na ja, wie jemand sagen würde, man kann nicht alles haben, denn viele Leute könnten sonst ihre Brötchen erst mittags kaufen.- Der kleinere Betrieb hört sich gut an mit den verschiedenen Tätigkeiten und auch der Kontakt mit Kunden! Freue mich für dich, dass das so geklappt hat! Mach’s gut, bis zum nächsten Mal, lieben Gruß, Rosemarie

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    • Nein, nein: Die Brötchenpresse ist in den meisten Fällen nur dazu da, den Teig auf eine schnelle Art in gleich schwere Stücke zu teilen. Danach werden von Hand Brezeln daraus, Knoten, längliche Brötchen usw. Handarbeit bleibt da unbedingt noch genug.

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