Schokolade und Schatten


Einer der vielen Vorteile meines neuen Jobs ist, dass ich Schokolade esse bis zum Abwinken und sofort wieder verbrenne. Die Waage ist jedenfalls unbeeindruckt von diesen Kalorienattacken. Super.

Aber…ja es gibt auch Schattenseiten. Hand aufs Herz: Ja, es ist ein knüppelharter Weg, seine Brötchen zu verdienen. Ich habe – zugegeben –  unterschätzt, dass das Backhandwerk ein ziemlich männerdominierter Beruf ist. Logischerweise, denn es geht viel um Muskelkraft, Sachen tragen, Wagen schieben (die auch ein knackiges Gewicht haben zum Teil), Schnelligkeit zum Beispiel beim Putzen und fit bleiben bis zum Schichtende. Und dass ich 20 Jahre älter bin als der Durchschnittsazubi ist eben auch kein Bonus. Ich komme noch nicht klar mit dem Faktor Zeit, Rumbummeln ist nicht.

Zum einen bin ich als blutige Anfängerin in einem praktischen Beruf sehr unwissend, klar habe ich den Welpenschutz und es wird mir natürlich erklärt, worum es geht. Da ich aber auch einen anderen Lebensweg habe als üblich (Studium und pipapo), sollte ich mir doch Dinge bei der ersten Erklärung merken können, oder watt!? Was mir aber nicht gelingt und so frage ich halt doch öfter noch mal nach. Alles ist neu für mich, ich kann nebenher nichts aufschreiben, dafür fehlt die Zeit (mache ich manchmal in der Pause, beim Schokoladeessen). Leider, denn was ich aufschreibe, weiß ich dann auch.

Meine Herkunft spielt da natürlich auch eine große Rolle: Als Nicht-Berlinerin nehme ich viel zu viele Ansagen persönlich, anstatt schlagfertig zu reagieren.

Akademikerin, Frau, Mitte 30 und Schwarzwälderin. So lerne ich auf allen Feldern dazu. Und will da unbedingt durch, auch wenn ich schon mehr als einmal ans Hinschmeißen gedacht habe. So. Jetzt ist es raus. Aber es hilft sehr, wenn mir mein Chef ein sehr wissenschaftliches Fachbuch mitbringt. Und mich ihn filmen lässt, während er im Handumdrehen rundwirkt. Der sehr wohl begriffen hat, wie ich ticke. Eine praktische Heldin des Bäckerhandwerks werde ich vielleicht nicht. Muss ich aber auch nicht.

Wie bemerkte meine russische Praktikums-Lehrerin Konditorin Olga so treffend, als mir ein kleines Missgeschick passierte: „Is niecht schliemm. Aber auch niecht schönn.“

Oder wie Toni Polster sagen würde: „Für mich gibt es nur ‚entweder-oder‘. Also entweder voll oder ganz!“

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2 Kommentare

  1. peter

    Mensch Sandra,das wird schon. Nach einer gewissen Anpassungsphase und einem kräftigen Muskelaufbau wirst Du noch manches Brötchen backen.

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  2. theo

    Durchhalten Frau L.! Und es ist ja noch etwas hin bis zum Ende der Ausbildung. Das wird schon!

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